Kaninchen

Sozialverhalten gesellig in Kolonien
Lebensweise Grabtier, Höhlenbewohner
Geschlechtsreife 90 – 180 Tage, durchschnittlich 120 Tage
kleinere Rassen früher
Trächtigkeitsdauer 28-36 Tage
Wurfgröße 4-10
Absatzalter 28 – 42 Tage

Körpertemperatur 37,5 – 39,5 ° C
Herzfrequenz/Minute 120-325
Atemfrequenz/Minute 20-60 (100)
Körpergewicht 900-9000g
Lebenserwartung 5-10 Jahre
Anzahl der Zähne 28

Besonderheiten des Verdauungsapparates
permanent wachsende Zähne: alle Zähne besitzen offene Wurzeln, wachsen permanent und lebenslang
kein Zahnwechsel
Im Oberkiefer befindet sich ein zweites paar Schneidezähne („Stiftzähne“)
Zahnformel: 1 Incisivus, 3 Prämolare,3 Molare oben rechts und links ebenso
1 Incisivus, 2 Prämolare, 3 Molare unten rechts und links ebenso
Einhöhliger Magen mit dünner Wand/Muskelschicht und wenig Peristaltik, deshalb erfolgt Weitertransport der Nahrung durch häufige Futteraufnahme (70-80 Einzelmahlzeiten in 24 Stunden)
Großer Blinddarm, der fast 50% des gesamten Darmes ausmacht. Er dient als Gärkammer und somit zur Aufspaltung der Zellulose (von Pflanzen). Endprodukt ist ein bakterien- und vitaminreicher Kot
Koprophagie: Kot von weicher Konsistenz und traubenartige Form, mit Schleim überzogen, der im Blinddarm durch mikrobiellen Aufschluß der Rohfaser entsteht, wird von den Kaninchen hauptsächlich nachts direkt vom After aufgenommen und dient der Versorgung mit essentiellen Aminosäuren und Vitaminen

Besonderheiten der Fortpflanzung
Kein regelmäßiger Sexualzyklus, kein zeitlich festgelegter Östrus
Induzierte Ovulation: Deckakt löst Eisprung aus
Postnatale Empfängnisbereitschaft

Haltung:

Kaninchen sollten nicht einzeln gehalten werden, wobei es bei zwei Männchen zu Beißereien kommen kann, und bei gemischten Gruppen zu Nachwuchs. Eingeschränkt empfehlenswert ist die Haltung von Kaninchen und Meerschweinchen (Verletzungen des Meerschweins durch Aufreiten des Kaninchens als soziale Dominanzgeste gegenüber kleineren Rudelgenossen möglich).
Weiterhin neigen männliche Tiere zum Markieren mit Urin.
Kaninchen sind Fluchttiere und daher sehr schreckhaft, sie müssen entsprechend vorsichtig gehalten werden

Zeitaufwand:

Der Mindestzeitaufwand pro Tag beträgt 30 - 50 Minuten täglich (bei Einzelhaltung wesentlich mehr!). Futter - und Trinkgefäße sollten täglich kontrolliert und gereinigt werden. Weiterhin sollte der Käfig täglich gereinigt und nicht verbrauchte Frischfutter entfernt werden. Das Einstreu sollte einmal in der Woche gewechselt werden.

Platzbedarf:

Die Mindestgröße für Zwergkaninchen beträgt: 80 x 50 x 45 cm, für schwerere Rassen: 120 x 60 x 50 cm. Der Käfig kann aber gern größer sein! Falls Platzprobleme dies nicht ermöglichen, eine zweite Ebene mit Holzplatte (kein Sperrholz) in den Käfig einziehen und so die Grundfläche erhöhen.
Der Käfig sollte 5 cm dick mit einem saugfähigen Einstreu ausgelegt sein, z.B. Kleintierstreu, Hanf-oder Strohpellets oder Hobelspäne, kein Katzenstreu. Beschichtete Metallgitter sind Holzkäfigen vorzuziehen (bessere Reinigung, kein Benagen). Ein Holzhäuschen (auch aus Keramik oder Pappe möglich) als Rückzugsmöglichkeit sowie zusätzlicher Auslauf sind erforderlich. Der Käfig sollte vor Zugluft geschützt, aber nicht im Dunklen stehen. Beim Freilauf sollte das Kaninchen unter Beobachtung stehen (Benagen von Einrichtungsgegenständen und elektrischen Kabeln, Aufnahme giftiger Pflanzen wie Eibenfrüchte, Maiglöckchen, Nadeln von Tannen etc. im Garten).
Kaninchen können weiterhin in Außenställen gehalten werden, z. B. auf einer überdachten Terrasse. Hier sollte die Grundfläche des Käfigs mind. 1 x 1 m betragen, Regen- und Windgeschützt stehen, sowie einbruchssicher gegen Füchse, Marder, Katzen, Ratten und andere Tiere sein.
Der Untergrund sollte mindestens in bis zu einer Tiefe von 2 bis 3 Metern befestigt sein (Steinschicht mit senkrecht eingelassenen Steinplatten o.ä.), um ein Durchgraben der Kaninchen, aber auch speziell von Mardern und Füchsen, zu verhindern.
Die Umzäunung sollte engmaschig, aber dick sein, um ein Durchbeißen von Jägern (Marder ...) zu verhindern, auch muss der Stall, falls nötig, von oben abgedeckt sein (Jäger und Sonnenschutz)
Die Stalltüren sollten gegen Südosten gerichtet sein. Im Winter muss das Einstreu durch eine dicke Schicht Stroh ergänzt werden. Ebenfalls sollte ein wärmeisoliertes Haus (Styropor zwischen den Holzwänden) vorhanden sein. Diese Haltung ist im Winter nur mit einem Paar möglich, da die Tiere sich so gegenseitig wärmen können, auch sollten die Kaninchen zwischendurch nicht in die Wohnung geholt werden. Die Gewöhnung der Kaninchen an die Außenhaltung muss während der warmen Monate geschehen.

Ein Freilauf in der Wohnung sollte immer beobachtet werden, da es eine Menge Gefahren gibt, wie z.B. Stromkabel oder Plastik. Ein Freilauf im Garten sollte nur in einer auch gegen Durchgraben und Überspringen gesicherten Umzäunung stattfinden.

Futter:

Futterverbrauch: 5 g pro Tag pro 100 g Körpergewicht
Wasseraufnahme: 5-10 ml pro Tag pro 100 g Körpergewicht
Angeboten werden sollte alles, was Obst und Gemüse ist, Heu und fertiges Trockenfutter. Der Hauptanteil sollte aus Heu bestehen. Trockenfutter sollte bei normalen Tieren (keine Trächtigkeit, nicht im Wachstum begriffen oder erkrankt, keine Außenhaltung im Winter) nicht die Menge von 1 Eßlöffel wöchentlich übersteigen.
Haferflocken und ähnliche Getreideprodukte sind auf Dauer völlig ungeeignet, da sie bei Dauerfütterung zu einer Art Osteoporose bei den Kaninchen führen. Deshalb auch Brot (stark getrocknet, mit vielen Körnern) nur 1x wöchentlich füttern, wenn überhaupt.
Im Sommer kann zusätzlich frisches Gras, sowie Löwenzahn, Wiesengräser sowie frische Laubbaumzweige angeboten werden. Wichtig ist dabei nur, dass Gräser trocken verfüttert werden.
Weiterhin eignen sich viele Obst- und Gemüsesorten, z.B. Möhren, Äpfel, Petersilie, Gurke, Paprika, Eisbergsalat, Chicoree, Endivie, Römersalat u.s.w.. Kohl und Luzerne sollten bei der Fütterung vermieden werden. Zur Vermeidung von Vitamin C-Mangel („Skorbut“) sollte regelmäßig Petersilie und Paprikaschoten angeboten werden.
Zum Benagen eignen sich Obstbaumzweige.
Bei einer Außenhaltung sollte der Trockenfutteranteil im Winter erhöht werden. Futter und Wasser sollten immer zur Verfügung stehen. Wasser sollte aus der Trinkflasche und Futter in schweren, flachen Keramikschalen angeboten werden. So vermeidet man eine Verunreinigung des Futters. Weiterhin sollten ein Salzleckstein und ein Nagerstein im Käfig angebracht werden.

Haltungsfehler:

verschmutztes und altes Magen-Darm-Krankheiten, Durchfall
Futter
zu wenig Heu verfüttert mangelnder Abrieb der Zähne
direkte Sonneneinstrahlung Hitzeschock bis Todesfolge
zu viel Frischfutter ohne Heu führt zu ungenügendem Abrieb der Zähne
Wassermangel (Trinknippel auf Beweglichkeit kontrollieren, können verkalken; im Außenstall gefriert Wasser im Winter, nachkontrollieren!))
Zu viel Trockenfutter: pro Tier 1 Esslöffel Trockenfutter pro Woche, ansonsten Salat, Obst, Heu
unbegrenzt. Bei Belastung (Winter, Trächtigkeit ... Trockenfuttermenge erhöhen)
Zu fette Kaninchen sind kreislauflabile Tiere, Achtung: plötzlicher Herztod!
Panik: bei Gefahr versuchen die Tiere zu flüchten und können sich dabei durch Strampeln derart verletzen, das die Wirbelsäule bricht! Deshalb Transport nur in geschlossenen Behältern!
Gefahr der Magenüberladung durch zuviel/zu häufige Futteraufnahme oder gärendes Futter (z.B. feuchtes Gras)
Offene Tränkebehälter verschmutzen
Mangelhafte Reinigung der Behältnisse und verdorbenes Futter führen zu Magen-Darm-Erkrankungen

Wichtig:

Kaninchen sollten gegen Myxomatose geimpft werden, diese stets tödlich verlaufende Krankheit wird von Stechmücken übertragen. Auch sollte gegen RHD (rabbic hemorragic disease) geimpft werden, wenn die Kaninchen draußen gehalten werden oder sonstigen Kontakt zu anderen Tieren haben.

Tierarztpraxis

Eva Klein

Teutonenstr. 2

14129 Berlin-Nikolassee

Tel.: +49 30 803 76 08