Igel

Gefundene Igel richtig versorgen

vorübergehende Haltung:

Igel sind nachtaktiv und Einzelgänger
Igel sind geschützte Wildtiere, keine Heimtiere! Jeder, der einen Pflegling aufnimmt, muss sich bewußt sein, dass er ihn so bald wie möglich wieder in die Freiheit entlassen muss.
Wer im Oktober einen Igel findet, sollte ihn wiegen, um herauszufinden ob dieser in den Winterschlaf gehen kann. Als Faustregel gilt, das alle Tiere, die weniger als 500 - 600 g wiegen, gefährdet sind.

Maßnahmen bei Aufnahme eines hilfebedürftigen Igels:

Ist er kalt, muss seine Körpertemperatur mit einer Lampe oder einem Heizkissen langsam erhöht werden.
Den Igel unter Vermeidung von Zugluft mit warmen Wasser und Kernseife waschen, abduschen und die Ektoparasiten (Außenparasiten wie Flöhe, Zecken, etc.) entfernen. Danach das Tier trocknen und warmhalten bis es ganz trocken ist.

Bei äußeren Verletzungen, zu starken Parasitenbefall, offensichtlicher Schwäche etc., muß der Igel sofort einem Tierarzt vorgestellt werden, der ihn entsprechend behandelt.
Entwurmung (Medizinische Maßnahmen gegen Endoparasiten): es ist sinnvoll den Igel vorsorglich beim Tierarzt mit Citarin L 2,5% s.c. spritzen zu lassen.
Kranke oder zu leichte Igel dürfen nicht in den Winterschlaf!!
Kranke Igel benötigen einen Raum mit Tageslicht und einer Umgebungstemperatur von 18 - 22°C. Ein Häuschen (25x20x15 cm) zum Verkriechen ist unabdingbar. Heu und Stroh zum Isolieren unter das Häuschen, alte Lappen zum Nestbauen in das Häuschen geben.

Die Freilauffläche sollte mind. 2m² betragen und die Außenwände (Holz) sollten mind. 40 cm hoch sein.
Für das Wohl des Igels sind peinliche Hygiene jeden Tag (Sauberkeit und Trockenheit im Käfig), genügend Einstreu, Ruhe und Geräuscharmut wichtig.
Ist der Igel gesund, frißt er regelmäßig (die Gewichtszunahme sollte stetig und nicht zu schnell sein, ca. 50-60 g pro Woche) und weist er eine konstante Körpertemperatur auf, so kann er auch in frostigere Gefilde umziehen (z.B. Balkon, Gartenhaus, etc.), wenn es dort trocken und zugfrei ist, und die Versorgung und Aufsicht weitergeführt werden kann. Er sollte jedoch in seiner Behausung bleiben, jedoch das Häuschen sollte größer werden und mit Stroh dick ausgestopft werden, damit er eine gute Isolation gegen die Kälte hat.

Wenn der Pflegling sein Körpergewicht auf 800 - 900 g erhöht hat, kann man versuchen, ihn in den Winterschlaf zu schicken. Dazu benötigt man eine gut isolierte Schlafkiste, möglichst zweigeteilt, gut geschützt gegen äußere Witterungseinflüsse. In den Vorraum gehört ein haltbares Futter und Wasser, in den Schlafraum gibt man genügend Nestbaumaterial ( Lappen, Blätter, Heu, Stroh, Moos, Kleintierstreu). Die Kiste stellt man zuerst an einen Ort mit ca. 12-14°C. Sobald das Tier nicht mehr frißt und seine Höhle verschlossen hat (sich einigelt), zeigt er seine Bereitschaft zum Winterschlaf. Nun bringt man den Igel an einen Ort mit einer max. Temperatur von 6°C. Zwei- bis dreimal pro Woche sollte man den schlafenden Igel kontrollieren. Gewicht, Futter- und Wasservorräte müssen überprüft werden.
Wenn das Einstreu verrutscht ist oder kleine „Häufchen“ zu finden sind, hat der Igel seinen Winterschlaf unterbrochen, bzw. abgebrochen. Wenn dies geschehen ist, sollte er trotzdem draußen bleiben und mit normalem Futter weiter gefüttert werden.

Zum Auswildern benötigen die Tiere ein Gewicht von 700 g, daher sollte der Igel nach dem Aufwachen gewogen und vor dem Auswildern mindestens noch 3 Wochen aufgefüttert werden. Zeitraum: Anfang Mai, (ca. zu den Eisheiligen), es muß bereits Insekten geben. Viel Lebendfutter ( Mehlwürmer und getrocknete Insekten)in der Woche davor im sauberen Streu ausstreuen und suchen lassen (Vorbereitung zur eigenständigen Nahrungssuche). Auswildern bei beginnender Dämmerung in sein angestammtes Revier. Sollte das alte Revier wegen Bebauung oder Straßen zu gefährlich für den Igel sein, so kann man ihn auch in ein anderes Gebiet setzen, Waldrand, Streuobstwiesen, mit viel Unterholz und Gestrüpp.

Am Abend der Auswilderung sollte er gemeinsam mit seinem Häuschen, das nach ihm riecht, das er kennt und in dem etwas Trockenfutterreserve sein sollte, an einen versteckten Platz unter Sträuchern hingestellt werden. Meist kehren die Igel in den ersten Nächten in ihr Häuschen zurück und sind daher selbstbewußter gegenüber Rivalen. Es steht zu vermuten, dass diese Igel bessere Integrationschancen in freier Wildbahn haben, als andere, die einfach ins Gras gesetzt werden.

Ferner sind die Überlebenschancen fernab von Straßen, Ortschaften und Landwirtschaft natürlich besser, auch dies sollte bei der Wahl des Auswilderungsortes berücksichtigt werden.

Gesundheitsvorsorge/Krankheiten:

Alle gefundenen Tiere sind sofort einem Tierarzt vorzustellen.
Igel leiden unter Floh- und Zeckenbefall und unter Darm- und Lungenparasiten.
Bei einer Fehlernährung zeigen sich Nervenlähmungen und Knochenerweichung.

Fütterung:

Der Igel ist in der Natur ein Insektenfresser, er verschmäht aber auch Schnecken, Fisch, Aas, Obst und Eier nicht.
Wachsende Igel benötigen zusätzlich ein Mineralstoffgemisch sowie auch einige Tropfen Pflanzenöl.
Igel vertragen keine Milch. Zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs muss frisches Wasser angeboten werden.
Junge Igel, die noch mit Milch aufgezogen werden müssen, kann man mit Ersatzmilch für Hundewelpen ernähren.
Als Igelfutter in menschlicher Obhut eignen sich Hunde- und Katzenfutter, kleingeschnittenes Fleisch (roh) von Schwein und Rind, gekochte Eier, süßes Obst, Nüsse (geschält) und Süßwasserfische ohne Gräten. Das Futter sollte vielfältig sein, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.
Täglich einmal-abends mit einer sauberen Schale füttern.
Zusätzlich kann man das Futter mit Bierhefe und Weizenkeimen anreichern.
Eine hauptsächliche Fütterung mit Trockenfutter ist zu vermeiden (Gesundheitsgefahr für das Tier)!!

Besonderheiten:

Einen Igel darf man nur mitnehmen, wenn er offensichtlich erkrankt ist, oder im Herbst weniger als 600 g wiegt.
Igel sind nachtaktive Tiere.
Lebenserwartung: 3-5 Jahre
Säugezeit: 40-45 Tage
Körpergewicht: 700-1400 g
Winterschlaf von November/ Dezember bis März/ April.
Der Gehörsinn ist stark ausgeprägt. Igel mögen keine lauten Geräusche.
Das Sicheinspeicheln ist kein Anzeichen von Tollwut, sondern wird durch bestimmte Substanzen wie Leder, Tabak und andere hervorgerufen, und ist ein Ausdruck für artspezifisches Verhalten.

Tierarztpraxis

Eva Klein

Teutonenstr. 2

14129 Berlin-Nikolassee

Tel.: +49 30 803 76 08